Bis wann muss die Steuererklärung abgegeben werden?

Abgabefrist für die Steuererklärung ist derzeit noch der 31. Mai.

 

Pauschbetrag: Diese Pauschalen gibt es

Um es sowohl dem Finanzamt als auch dem Steuerzahler leichter zu machen, gibt es im Steuerrecht sogenannte Pauschbeträge. Was bedeutet das? Nun, bei einem Pauschbetrag können Sie als Steuerzahler einen bestimmten Betrag pauschal von der Steuer absetzen, ohne das, dass Finanzamt dafür Belege sehen möchte. Bekanntestes Beispiel für einen Pauschbetrag ist die Werbungskostenpauschale. Dazu später mehr.

Sind Ihre Kosten höher als der Pauschbetrag, können Sie in der Regel Ihre tatsächlich entstandenen Kosten von der Steuer absetzen – dann aber mit Beleg, also mit einem Nachweis.

 

1. Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer

Alles, was ein Arbeitnehmer für seinen Beruf an Geld in die Hand nehmen muss, bezeichnet das Finanzamt als Werbungskosten. Dazu gehören zum Beispiel die Kosten für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder die Arbeitskleidung. 1.000 Euro rechnet der Staat jedem Arbeitnehmer pauschal am Ende des Jahres an – die sogenannte Werbungskostenpauschale, manchmal auch Arbeitnehmerpauschbetrag genannt. Diese 1.000 Euro Werbungskosten werden Ihnen vom zu versteuernden Einkommen abgezogen – egal, ob Sie wirklich Kosten hatten oder nicht.

 

2. Werbungskostenpauschale für Rentner

Auch Rentner können Werbungskosten von der Steuer absetzen – entweder individuell oder über eine Pauschale. Die Werbungskostenpauschale für Rentner fällt allerdings viel niedriger aus als die für Arbeitnehmer: Nur 102 Euro pro Jahr kann ein Rentner pauschal geltend machen. Höhere Ausgaben können zwar abgesetzt, müssen aber nachgewiesen werden.

 

3. Entfernungspauschale

Berufspendler dürfen pauschal 30 Cent pro gefahrenem Kilometer einer einfachen Fahrtstrecke in der Steuererklärung eintragen – ohne Belege wie zum Beispiel Tankquittungen. Das nennt man im Steuerrecht Entfernungspauschale, umgangssprachlich auch Pendlerpauschale genannt.

 

4. Verpflegungspauschale

Gehen Sie auf Dienstreise, dürfen Sie sich über die Verpflegungspauschale freuen: Sind Sie länger als acht Stunden im Auftrag Ihres Chefs unterwegs, können Sie pauschal zwölf Euro in Ihrer Steuererklärung eintragen. 24 Euro Verpflegungspauschale gibt es, wenn Sie 24 Stunden und länger auf Dienstreise sind, also mindestens einen Tag und eine Nacht.

Die Verpflegungspauschale wird Ihnen in der Regel von Ihrem Arbeitgeber ausgezahlt. Übernimmt Ihr Arbeitgeber die Kosten nicht, können Sie Ihre Dienstreisekosten auf Seite 2 der Anlage N Ihrer Steuererklärung eintragen.

 

5. Arbeitsmittel-Pauschale

Ob Kugelschreiber, Schreibtisch oder Fachliteratur: Steuerlich gesehen sind all diese Dinge Arbeitsmittel. Wenn Sie keine Quittungen für Ihre Arbeitsmittel gesammelt haben, können Sie in der Regel pauschal 110 Euro pro Jahr in der Anlage N eintragen.

 

6. Umzugskostenpauschale

Ein Umzug kostet meistens Geld und Nerven. Zieht man aus beruflichen Gründen um, gibt es steuerlich gesehen aber immerhin die Umzugskostenpauschale in Höhe von 764 Euro für Ledige und 1.528 Euro für Verheiratete (Stand Februar 2017). Dank der Steuer-Pauschale entfällt außerdem das lästige Sammeln von Quittungen, Rechnungen & Co.

 

7. Sonderausgabenpauschbetrag

Bestimmte Kosten gelten im Steuerrecht als Sonderausgaben. Dazu gehören zum Beispiel Ihre Beiträge zur gesetzlichen und privaten Altersvorsorge, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Ausbildungskosten, Kirchensteuer oder auch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wenn Sie keine Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung eintragen, berücksichtigt das Finanzamt automatisch den Sonderausgabenpauschbetrag. Das sind jährlich 36 Euro für Singles und 72 Euro für Verheiratete.

 

8. Sparerpauschbetrag

Früher hieß er noch Sparerfreibetrag, heute heißt er Sparerpauschbetrag. Gemeint ist aber weiterhin das Gleiche: Als Single dürfen Sie Kapitalerträge wie Zinsen bis zu einer Höhe von 801 Euro pro Jahr steuerfrei behalten. Das Doppelte, also 1.602 Euro, steht Ihnen zu, wenn Sie verheiratet sind. Wie bei vielen anderen Pauschbeträgen auch, müssen Sie den Sparerpauschbetrag nicht extra beantragen. Aber wichtig ist, dass Sie bei Ihrer Bank einen sogenannten Freistellungsauftrag stellen.

 

9. Behinderten-Pauschbetrag

Sind Sie körperlich oder geistig eingeschränkt, entstehen Ihnen Kosten, die ein gesunder Mensch nicht hat – zum Beispiel Ihre Ausgaben für Medikamente, Therapien oder medizinische Hilfsmittel. Der Behinderten-Pauschbetrag soll alle Kosten abdecken, die typisch für die Behinderung sind und die man regelmäßig hat.

Der Behinderten-Pauschbetrag liegt je nach Grad der Behinderung zwischen 310 und 1.420 Euro jährlich. Hilflosen und blinden Menschen steht ein Pauschbetrag von 3.700 Euro zu.

 

10. Pflegepauschbetrag

Der Pflegepauschbetrag soll Sie entlasten, wenn Sie einen schwerstpflegebedürftigen Angehörigen betreuen. Mit einem steuerfreien Pauschbetrag in Höhe von 924 Euro im Jahr unterstützt Sie der Staat. Dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel dürfen Sie für die Pflege keine Bezahlung bekommen. Um den Pflegepauschbetrag zu erhalten, tragen Sie Name und Anschrift der pflegebedürftigen Person im Mantelbogen auf Seite 3 ein.

 

11. Kontoführung

Für die Kosten der Kontoführung können ohne Nachweis 16 Euro angesetzt werden.

 

12. Bewerbungskosten

Pro erstellter und versendeter Bewerbungsmappe können Sie 8,50 Euro ohne Nachweis ansetzen, für jede Onlinebewerbung 2,50 Euro.

 

13. Telefonkosten

Sofern Sie Ihr Handy oder Festnetztelefon auch beruflich nutzen, können Sie bis zu 20 Euro pro Monat in Ihrer Steuererklärung angeben. Einen Anspruch auf Anerkennung dieser Pauschale haben Sie jedoch nicht.

Generell gilt hier: Je besser Sie Ihre berufliche Telefonnutzung belegen können, desto wahrscheinlicher anerkennt es das Finanzamt.

 

14. Reinigungskosten und die Anschaffung berufstypischer Kleidung

bis 153 Euro

 

15. Fachliteratur

bis 102 Euro

 

16. Feierkosten

Die Kosten für eine Feier mit Kollegen, Vorgesetzen und Geschäftsfreunden sind steuerlich absetzbar, falls das Fest zumindest in Teilen beruflich veranlasst war. Im Juli 2015 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass ein Steuerberater die Ausgaben für eine Feier mit Kollegen und persönlichen Freunden absetzen darf (Urteil vom 8. Juli 2015, Az. VI R 46/14). Er hatte in einer gemieteten Halle 46 Kollegen zu seiner bestandenen Steuerberaterprüfung eingeladen und zugleich 55 Leute aus seinem privaten Umfeld anlässlich seines 30. Geburtstags. Er reichte die Gästeliste beim Finanzamt ein und wollte anteilig die Kosten für Miete und Bewirtung als Werbungskosten abziehen. Sowohl das Finanzamt als auch das Finanzgericht Baden-Württemberg lehnten das ab; der BFH gestattete dies.

Diese steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung ist mittlerweile gefestigt, wie das BFH-Urteil vom 20. Januar 2016, Az. VI R 24/15 zeigt. Hier klagte ein Finanzbeamter, der sein 40-jähriges Dienstjubiläum mit seinen Kollegen im Finanzamt feierte. Er lud alle Kollegen per E-Mail dazu ein und durfte die von ihm bestellten und bezahlten Getränke und Häppchen als Werbungskosten absetzen. Denn ein Dienstjubiläum ist ein berufsbezogenes Ereignis, hat der BFH festgestellt. Die Aufwendungen hierfür können nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sein, wenn der Arbeitnehmer folgende Bedingungen einhält:

Der Mitarbeiter tritt als Gastgeber auf und bestimmt die Gästeliste.
Nachdem die Grenze zwischen Kollege und privaten Freunden fließend sein kann, sollten die beruflichen Gäste nicht individuell, sondern nach einem abstrakten Kriterium eingeladen werden: zum Beispiel alle Kollegen, die gesamte Abteilung, alle Außendienstler, die Senioren oder Azubis der Firma etc.
Die Feier sollte in Räumlichkeiten des Arbeitgebers stattfinden und idealerweise zumindest in Teilen oder am Rande der regulären Arbeitszeiten, zum Beispiel am Freitagnachmittag.
Bezüglich des Aufwands sollte sie im üblichen Rahmen gehalten werden. Ein Sekt- und Weinumtrunk mit Häppchen ist auf jeden Fall drin.
Abgrenzung zu Repräsentationsaufwendungen: Wer Verwandte, persönliche Freunde, Angehörige des öffentlichen Lebens wie Bürgermeister, Stadträte, Journalisten einlädt, muss wissen, dass diese zum privaten Bereich gehören und ihre Einladung einer berufliche Veranlassung zumindest zum Teil widersprechen kann. Zumindest aber der Teil der Kosten, der auf die beruflichen Gäste entfällt, ist absetzbar.

Der Anlass der Feier ist nur eines von mehreren Kriterien. Das Gesamtbild entscheidet, ob und in welcher Höhe Werbungskosten absetzbar sind. Auch Arbeitnehmer können Bewirtungskosten haben.

Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten, dann darf er bis zu 110 Euro je Teilnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei sponsern. Geschenke bis 60 Euro fließen in diese Betragsgrenze ein. Gibt die Firma mehr als 110 Euro pro Person, muss sie hierfür Lohnsteuer und auch Sozialversicherungsbeiträge abführen.

 

17. Fort- und Weiterbildung

Berufliche Fort- oder Weiterbildungskosten können Sie in voller Höhe als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Das gilt sowohl für Bildungsmaßnahmen in einem schon ausgeübten Beruf als auch für eine Berufstätigkeit in Zukunft (wie die Vorbereitung eines Handwerksgesellen auf die Meisterprüfung). Typische Beispiele sind Lehrgänge, Tagungen und Seminare.

 

18. Spenden absetzen

So profitieren Sie bei der Steuer von Spenden als Sonderausgaben
Spenden an eine gemeinnützige Organisation können Sie bis zu einem Anteil von 20 Prozent Ihrer Einkünfte als Sonderausgaben geltend machen.
Wenn Sie an politische Parteien spenden, sind pro Person bis zu 3.300 Euro absetzbar. Für die ersten 1.650 Euro bekommen Sie die Hälfte als Steuererstattung zurück, der Rest ist als weitere Sonderausgabe zusätzlich absetzbar.
Wer kein Geld spenden will, kann auch Sachspenden leisten. Sie können sogar Ihren Zeitaufwand im Ehrenamt als Spende absetzen.
Spenden in das Vermögen einer Stiftung lassen sich mit bis zu einer Million Euro als Sonderausgaben geltend machen.

 

19. So holen Sie sich Ihre Nebenkosten mit der Steuererklärung zurück:


Nach dem Einkommensteuergesetz können 20% bestimmter Nebenkosten von der Einkommensteuer abgezogen werden. Voraussetzung ist, dass es sich um haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen handelt und dass die dafür geltenden Höchstbeträge nicht überschritten werden. Bei Handwerkerleistungen liegt der Höchstbetrag für die erstattungsfähigen Kosten bei 1.200 € im Jahr; bei haushaltsnahen Dienstleistungen in der Regel bei 4.000 €. Außerdem ist auch die Art der Zahlung entscheidend. Abgesetzt werden können nämlich nur solche Kosten, die per Überweisung oder Lastschrift gezahlt wurden. Wer seine Nebenkosten in bar bezahlt, hat leider schlechte Karten. Hier ein Überblick über mögliche absetzbare Nebenkosten:

 1. Hausmeister & Gebäudereinigung

Absetzbar sind zum Beispiel 20% der Nebenkosten für die Arbeiten eines Hausmeisters und die Gebäudereinigung. Diese zählen als haushaltsnahe Dienstleistungen. Achtung: Oft lohnt sich zunächst eine Prüfung, ob Sie diese Kosten überhaupt als Nebenkosten zahlen müssen! Unsere Partneranwälte beraten Sie hierzu gerne.

2. Heizung

Heizkosten sind nur zum Teil von der Steuer absetzbar. Begünstigt werden nämlich nur Dienstleistungen, von denen in der Steuererklärung 20% abgezogen werden dürfen. Der Verbrauch fällt beispielsweise nicht darunter. Abzugsfähig sind allerdings Nebenkosten für die Wartung und Pflege der Heizungsanlage, für die Wärmeablesung und für die Reinigung des Schornsteins.

3. Gartenpflege

Auch 20% der Nebenkosten für die Gartenpflege der Außenanlagen können in der Regel bei der Steuererklärung berücksichtigt werden. Hierzu gehören die Kosten der Pflege gärtnerisch angelegter Flächen einschließlich der Erneuerung von Pflanzen und der Pflege von Plätzen, Zugängen und Zufahrten. Ungezieferbekämpfungskosten gelten nur dann als Betriebskosten und sind abzugsfähig, wenn diese regelmäßig anfallen – zum Beispiel wenn eine Schädlingsbekämpfung über Jahre erforderlich wird.

4. Einschaltung von Prüfdiensten

Als Betriebskosten gelten in der Regel auch Kosten für erforderliche Überprüfungen von technischen Anlagen wie zum Beispiel von Aufzügen oder Blitzschutzanlagen. Sofern diese gesondert in der Nebenkostenabrechnung aufgeführt sind, können auch hiervon 20% von der Steuer abgezogen werden. Ist dies bei Ihnen nicht der Fall? Lassen Sie Ihre Nebenkostenabrechnung gerne von unseren Partneranwälten auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen.

5. Wartung

Die anfallenden, als Nebenkosten geltenden Wartungskosten können ebenfalls mit 20% in Abzug gebracht werden. Darunter fallen zum Beispiel Kosten für die Wartung von Heizungsanlagen, Aufzügen, Feuerlöschern, CO2-Warngeräten, Pumpen oder anderen technischen Geräten.

 6. Winterdienst

Auch 20% der Kosten für den Winterdienst dürfen Sie bei der Steuererklärung berücksichtigen, sofern diese als Nebenkosten durch den Vermieter auf Sie abgewälzt wurden. Auch hier ist Bedingung, dass diese einzeln in der Nebenkostenabrechnung ausgewiesen wurden.


20. Welche Versicherungsbeiträge Sie absetzen können

Die jährliche Steuererklärung ist für viele Menschen eine lästige Angelegenheit. Oft lohnt sich der Aufwand aber, denn es winken Steuerrückzahlungen vom Finanzamt. Was manche nicht wissen: Auch Versicherungsbeiträge können unter bestimmten Umständen steuerlich geltend gemacht werden.

Neben privaten Versicherungen können auch beruflich bedingte Policen bei der Steuererklärung angeführt werden. Letztere können als Werbungskosten angegeben werden. Die Beiträge für private Versicherungen können dagegen im Regelfall als Sonderausgaben beziehungsweise als sogenannte Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. Hier wird unterschieden zwischen:

Altersvorsorgeaufwendungen: Darunter fallen die Beiträge für die gesetzliche und private Rentenversicherung. Aktuell können die geleisteten Aufwendungen bis maximal 76 Prozent abgesetzt werden - oder bis zu einer Höhe von maximal 20.000 € bei Ledigen beziehungsweise 40.000 € bei Verheirateten.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen: Dazu zählen etwa Prämien für die Arbeitslosen-, Pflege-, Kranken-, Unfall-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Ebenso fallen darunter die Haftpflicht-, Kapitallebens- sowie Risikolebensversicherung. Hier beträgt die jährliche Höchstgrenze der absetzbaren Kosten für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer 1.900 € und für Selbstständige 2.800 €. Für Verheiratete gilt jeweils der doppelte Höchstbetrag.

Der Höchstbetrag ist entscheidend

Wichtig: Weitere Versicherungsprämien – etwa für eine Zahnzusatzversicherung – können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn der jeweilige Höchstbetrag noch nicht durch Aufwendungen für die Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung ausgeschöpft wurde.Ein Fallbeispiel soll die steuerliche Absetzbarkeit von Versicherungsbeiträgen veranschaulichen:

Eine unverheiratete Angestellte ist gesetzlich krankenversichert. Ihr jährlicher Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung beträgt 1.300 €. Für die Pflegeversicherung werden ihr pro Jahr 150 € abgezogen, für die Arbeitslosenversicherung 200 €. Damit belaufen sich ihre Vorsorgeaufwendungen insgesamt auf 1.650 €. Ausgehend von ihrem Höchstbetrag von 1.900 € kann sie weitere 250 € im Jahr für andere absetzbare Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend machen.

Wie können Versicherungen steuerlich geltend gemacht werden?

Zu den Versicherungen mit steuerlich absetzbaren Beiträgen gehört die private Unfallversicherung. Diese greift sowohl bei Unfällen in der Freizeit als auch bei anerkannten Arbeitsunfällen. Da sich der Versicherungsschutz auf beide Lebensbereiche erstreckt, können die Versicherungsbeiträge anteilig als Werbungskosten und als Sonderausgaben beziehungsweise Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden. Als Berechnungsgrundlage dient der jährliche Gesamtbetrag inklusive der Versicherungssteuer.

Ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden können Haftpflichtversicherungen wie die Privathaftpflicht und die Kfz-Haftpflichtversicherung. Die Prämien hierfür können unter Berücksichtigung der genannten Höchstbeträge als sonstige Vorsorgeaufwendungen bei der Steuererklärung angeführt werden.

Die Beiträge für eine private Berufshaftpflichtversicherung, die ausschließlich berufsrelevante Risiken abdeckt, können als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Selbstständige und Unternehmer können solche Aufwendungen in aller Regel als Betriebsausgaben steuermindernd absetzen.

Rechtsschutzversicherung ist nur teilweise absetzbar

Bei der Rechtsschutzversicherung kann nur der Baustein Arbeitsrechtsschutz als Sonderausgabe beziehungsweise Vorsorgeaufwendung abgesetzt werden. Haben Sie beispielsweise eine Rechtsschutzversicherung mit den Leistungen Privat-, Verkehrs- und Arbeitsrechtsschutz, können Sie im Normalfall also nur ein Drittel der Versicherungsprämie als Werbungskosten angeben. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Versicherer am besten einen Nachweis über die Beiträge ausstellen, die nur auf den Arbeitsrechtsschutz entfallen.

 

21. Ausgaben für die Gesundheit sind grundsätzlich steuerlich absetzbar

Medikamente gegen den lästigen Heuschnupfen, eine teure Brille wegen der Sehschwäche und dann noch eine Zahnprothese – Gesundheit ist manchmal teuer. Doch es gibt eine gute Nachricht:

Sie können das Finanzamt an diesen Ausgaben oft beteiligen. Denn Ausgaben für die Gesundheit sind grundsätzlich steuerlich absetzbar.

Was gilt als Krankheitskosten?

„Krankheitskosten sind Aufwendungen, die zur Heilung oder zur Linderung einer Krankheit getragen werden müssen“, erklärt Nöll. Kosten, die entstehen, um eine Krankheit erträglicher zu machen, gehören ebenfalls dazu. Vorbeugende Krankheitskosten können hingegen nicht abgesetzt werden. Auch Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erwägungen heraus vorgenommen werden, sind keine steuerlich relevanten Ausgaben.

Das ist der Haken

Das Finanzamt erkennt die Aufwendungen zwar als außergewöhnliche Ausgaben an, berichtet die Stiftung Warentest in dem «Finanztest Spezial Steuern 2017». Allerdings müssen die Kosten über der zumutbaren Eigenbelastung liegen.

Erst ab einer bestimmten Grenze beteiligt sich der also Fiskus. „Außergewöhnliche Belastungen liegen grundsätzlich dann vor, wenn dem Steuerzahler größere Aufwendungen erwachsen, als sie der überwiegenden Mehrzahl von Steuerzahlern gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstandes entstehen“, erklärt der Bund der Steuerzahler (BdSt). Das heißt: Das Finanzamt erkennt nicht den vollen Betrag an, sondern rechnet eine sogenannte zumutbare Belastung an.

Wie berechnet sich die Höhe der „zumutbaren Belastungen“?

Die Höhe der zumutbaren Belastung wird individuell berechnet. Sie richtet sich nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. «Bei einer Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 40 000 Euro wird der zumutbare Eigenanteil beispielsweise bei 1200 Euro im Jahr überschritten», rechnet Klocke vor.

Denn dieser liegt hier bei drei Prozent der Einkünfte. Singles ohne Kinder, die im vergangenen Jahr mehr als 51 130 Euro verdient haben, müssen mehr aus eigener Tasche zahlen: Sie können erst Kosten geltend machen, die sieben Prozent ihrer Einkünfte übersteigen - also über etwa 3579 Euro liegen.

Welche Kosten können Steuerzahler einreichen?

Der Fiskus erkennt zum Beispiel Ausgaben an für den Zahnarzt, die Geburt eines Kindes, für eine Brille oder für die Krankengymnastik, erklärt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Auch wer sich das Rauchen abgewöhnt, kann die Kosten dafür eventuell steuerlich absetzen. Bedingung ist hier: Die Krankenkasse hat die Kosten nicht übernommen. Zudem müssen Raucher ihre Nikotinsucht mit einem ärztlichen Attest belegen.

Abzugsfähig sind laut Stiftung Warentest auch Zuzahlungen zu rezeptpflichtigen Medikamenten. Als Nachweis genügt meist der Zahlungsbeleg der Apotheke. Übernimmt die Kasse die Medikamente nicht, sollte der Arzt sie mit einem grünen Rezept verordnen. Dies kann später als Nachweis dienen. Chronisch Kranke können eine Dauerverordnung vorlegen. Manche Apotheken erstellen auch eine Jahresübersicht über die Zahlungen des Patienten.

Abzugsfähig sind nicht nur Ausgaben für schulmedizinische Therapien. Auch die Kosten für alternative Behandlungen, zum Beispiel homöopathische Therapien, können Patienten unter Umständen absetzen. Vorausgesetzt: Die Behandlung ist medizinisch notwendig und wurde verordnet. Ebenfalls anerkannt werden in der Regel die Kosten Rollstühle, Krücken oder Rollatoren.

Wann können Krankheitskosten Betriebsausgaben sein?

Wurde eine Krankheit durch den Beruf bedingt, können die entstandenen Kosten auch Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten sein. Das kann laut BDL beispielsweise bei typischen Berufskrankheiten oder durch einen betrieblich bedingten Unfall der Fall sein.

Zuletzt bestätigte der BFH 2013, dass Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit als Werbungskosten abziehbar sind, wenn es sich um eine Berufskrankheit handelt (Az.: VI R 37/12). Der Vorteil: „Hierbei gibt es das Kriterium der zumutbaren Eigenbelastung nicht“, erklärt Nöll. „Das heißt: Die Aufwendungen sind ab dem ersten Euro berücksichtigungsfähig.“

 

22. Urlaub von der Steuer absetzen

Um es gleich noch mal klar zu sagen: Prinzipiell lässt sich ein Urlaub nicht von der Steuer absetzen. Wenn Sie ihn aber mit einem dienstlichen Anlass verbinden, geht schon etwas. Beispiel gefällig? Sie müssen zu einem dreitägigen Kongress nach Berlin, der von Mittwoch bis Freitag geht. Sie hängen dann noch Samstag und Sonntag für ein privates Wochenende hintendran. Oder Sie gehen unmittelbar nach Ende einer Dienstreise in London gleich in einen zweiwöchigen Urlaub auf der britischen Insel. Wichtig ist: Es muss immer einen beruflich bedingten Teil geben – und der muss mindestens 10 Prozent der gesamten Reisezeit ausmachen, sonst verweigert das Finanzamt die Anerkennung. Also in einem zweiwöchigen Urlaub mal einen Tag zu einem Kongress gehen funktioniert nicht.

Was wird anerkannt?

Bis zum Jahr 2009 war die Sache klar: Das Finanzamt hat die Werbungskosten anerkannt, die ursächlich mit dem beruflichen Teil der Reise zusammenhängen, zum Beispiel Kongressgebühren, Hotelkosten und Verpflegungsmehraufwand. Die manchmal beträchtlichen Reisekosten aber nicht. Damit wollte sich schon Mitte der 90er Jahre ein Computerexperte nicht abfinden und klagte sich durch die Instanzen. Er war damals eine Woche in Las Vegas, vier Tage auf einer Messe, drei privat. Erst der Bundesfinanzhof entschied 2009 (Az: GrS 1/06): Auch die Reisekosten können abgesetzt werden, im Regelfall anteilig gemäß der Verteilung der Reisetage beruflich/privat. Der IT-Fachmann, der knapp 15 Jahre für sein (Steuer-) Recht kämpfte, konnte somit 4/7 der Flugkosten absetzen.

Oft wird auch eine Sprachreise anerkannt, meist die Hälfte aller Kosten. Auch hier ist es von Vorteil, wenn die jeweilige Sprache der beruflichen Tätigkeit nutzt. Allgemeine Bildungsreisen hingegen lassen sich in der Regel nicht absetzen.
Wenn Sie mit der ganzen Familie in den Urlaub fahren und das mit dienstlichen Verpflichtungen verbinden, wird das Finanzamt besonders genau hinschauen. Und von den Reisekosten absetzen lassen sich dann selbstverständlich auch nur Ihre Kosten, nicht die der Familienangehörigen.

Zusammenfassung: Eine Urlaubsreise lässt sich anteilig von der Steuer absetzen, wenn mindestens 10 Prozent der Reisezeit beruflich bedingt sind.